Benutzer:Dryhand58/Werkstatt

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Blauschiefer, Île de Groix, Frankreich

Blauschiefer (engl.: blueschist), Glaukophanschiefer oder Glaukophanite sind metamorphe Gesteine mit einem relativ hohen Anteil am Na-Amphibol Glaukophan und entstehen bei hohem Druck bei verhältnismäßig niedriger Temperatur ("Blauschiefer-Fazies").

Druck-Temperatur-Tiefendiagramm metamorpher Faziesbereiche; 1 = Blauschiefer-Fazies

Glaukophanite und ihre schiefrigen Äquivalente, entstehen bei niedrig temperierter Regionalmetamorphose bei gelichzeitig hohen Drücken. Entstehungsbereiche sind die tiefen Sedimentationsbecken oder tektonisch aktive Zonen (Typ Versekungsmetamorphose). Glaukophanite werden daher mit der Existenz von Subduktionszonen an abtauchenden Lithosphärenplatten in Verbindung gebracht. Zwischen Glaukophaniten und Grünschiefern existieren Übergänge vom Prasinit-Typ - vor allem dann, wenn letztere natriumreiche Amphibole enthalten. Höhere Gehalte an Granat und jadeitischen Klinopyroxenen führen zu eklogitischen Gesteinen (Glaukophanit-Eklogite).
Edukte für Glaukophanite sind basische Vulkanite und deren Tuffe (Diabase und Spilite).

Chemismus und Mineralogie

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Chemische Zusammensetzung

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Nach ihrer mineralogischen Zusammensetzung gehören Blauschiefer zu den Grünschiefern, wobei der Natrium-Amphibol Glaukophan den Hauptgemengeteil bildet. Die Farbgebung durch die Blautöne dieses Minerals ist daher namensbildent. Weitere wesentliche Anteile sind Lawsonit, Pympellit, Zoisit, Epidot, jadeitischer Klinopyroxen, Albit und Calcit bzw. Aragonit. Des weiteren treten Quarz, Chlorit, Glimmer und Granat auf. In der folgenden Tabelle ist die chemische Zusammensetzung einiger Glaukophanit-Vertreter zusammengefasst (in Masse-%, nach Pfeiffer, Kurze & Matthé, 1985).

chem. Verbindung 1 2 3 4 5
SiO2 46,7 51,3 47,5 46,5 51,7
Ti2O2 2,0 3,0 1,2 1,2 1,7
Al2O3 12,9 12,0 19,2 13,8 15,7
Fe2O3 4,1 3,0 4,6 1,3 2,6
FeO 9,2 10,5 3,0 7,6 5,2
MnO 0,2 0,4 0,1 0,2 0,1
MgO 5,7 7,8 5,4 7,4 12,5
CaO 9,5 4,0 7,9 12,1 2,1
Na2O 3,5 4,5 3,6 3,1 5,2
K2O 0,9 0,5 1,9 0,2 -
H2O+ 5,0 2,3 6,0 3,6 3,7
CO2 - - - 2,6 -
Quellen

1 = Glaukophanite (Mittelwert)[1]
2 = Lawsonit-Granat-Glaukophanit, Junction School area (Healdsburg, Kalifornien, USA)[2]
3 = Sericit-Glaukophanit, Scalea (Calabrien, Italien)[3]
4 = Glaukophanit, Franciscan Formation (Kalifornien, USA)<ref name="coleman63">Coleman,R. G., Lee, D. E.:Glaukophane-bearing rock types of the Cazadero area (California). In: J. Petrol. No. 4, Oxford 1963, S.  260-301
5 = Glaukophanit, Zermatt (Schweiz)<ref name="bearth71">

Mineralogische Zusammensetzung

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In der folgenden Tabelle ist die mineralogische Zusammensetzung einiger Glaukophanit-Vertreter zusammengefasst (in Masse-%, nach Pfeiffer, Kurze & Matthé, 1985).

Mineral 1 2 3 4 5
Glaukophan 60 80 54 56 57
Lawsonit 30 3 27 34 --
Pympellit 10 -- -- 1 --
Klinopyroxen -- -- -- -- +
Granat -- 12 -- -- --
Paragonit -- -- -- -- 4
Muskovit -- 3 17 -- +
Chlorit -- -- -- 1 10
Chloritoid -- -- -- -- 7
Epidot -- -- -- -- 5
Albit -- -- -- -- 141
Aragonit/Calcit -- -- -- 3 --
Ti-Minerale -- 2 2 5 2
Quellen

1 = (Pympellit-Lawsonit)-Glaukophanit, Junction School area (Healdsburg, Kalifornien, USA)[2]
2 = Lawsonit-Granat-Glaukophanit Junction School area (Healdsburg, Kalifornien, USA)[2]
3 = Sericit-Glaukophanit, Scalea (N-Calabrien, Italien)[4]
4 = Glaukophanit, Franciscan Formation (Kalifornien, USA[5]
5 = Glaukophanit, Zermatt (Schweiz)[6]

  1. Marakušev, A. A.: Petrologija metamorfičeskich gornych porod. Izdat. Moskovsk. Univ., Moskva 1973.
  2. a b c Borg, I. Y.: Glaucophane schists and eclogites near Healdsburg, California. In: Bulletin Geological Society. Bd. 67, New York 1956, S. 1563-1584
  3. Quitzow 1935
  4. Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag; kein Text angegeben für Einzelnachweis mit dem Namen quitzow35.
  5. Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag; kein Text angegeben für Einzelnachweis mit dem Namen coleman63.
  6. Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag; kein Text angegeben für Einzelnachweis mit dem Namen bearth71.
  • Wolfhard Wimmenauer: Petrographie der magmatischen und metamorphen Gesteine. Enke Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-432-94671-6.
  • Myron G. Best: Igneous and Metamorphic Petrology. 1. Auflage. W.H. Freemann & Company, San Francisco 1982, ISBN 0-7167-1335-7, S. 399 f.

Geschichte des Osterzgebirges

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Das Osterzgebirge war (wie das übrige Erzgebirge auch) bis in das Hochmittelalter unbesiedelt und nahezu durchgehend mit Wald bedeckt. Lediglich im Bereich der größeren Flusstäler dürften zivilisatorische Prozesse in Form von Wanderungs- und Handelsbewegungen sowie Jagd und Fischfang stattgefunden haben. Erst mit der Besitzergreifung durch die Wettiner im Jahr 1150 begann zunächst eine Aufsiedelung der nördlichen Randbereiche durch Siedler aus Franken, Thüringen, aus dem Rheinland und den Niederlanden. Das Osterzgebirge ist wahrscheinlich um 1200 durch fränkische Kolonisten vereinnahmt worden. Als erste Orte werden 1218 Dippoldiswalde und Frauenstein erwähnt. Auch die Gründung der Ortschaft Johnsbach wird um 1200 vermutet. In den nächsten 200 bis 300 Jahren erfolgte eine schrittweise Landnahme durch die mit der Waldrodung einhergehende Schaffung von Ackerflächen. In diesen Zeitraum fallen auch mehrere Besitzerwechsel und die Hussitenkriege 1419 bis 1436, die vom benachbarten Königreich Böhmen ausgingen und sich über die damalige Grenze hinaus bis in das meißnische Herrschaftgebiet auswirkten. Mit dem Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit ist trotz Pestepidemien und kleineren lokalen Kriegshandlungen insgesamt eine Zunahme der Bevölkerung zu verzeichnen, die sich in der Neugründung weiterer Dörfer dokumentiert: zum Beispiel Rudolphsdorf (1539), Glashütte (1540), Schellerhau (1543) und Fürstenau (1551). Ein einschneidentes historisches Ereignis war, wie in vielen anderen Gegenden auch, der Dreißigjährige Krieg in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Das Osterzgebirge war (von Truppendurchmärschen von Sachsen nach Böhmen abgesehen) jedoch nicht vordergründig Schauplatz von Kriegshandlungen. Nachdem Böhmen um 1620 durch das Habsburger Reich wieder katholisch dominiert wurde, flohen viele Protestanten in die nördlich angrenzenden Länder, wo sie sich dauerhaft niederließen. Somit hatte das Osterzgebirge im Gegensatz zu anderen Landesteilen im Ergebnis des Dreißigjährigen Krieges zumindest keinen gravierenden Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen. In der folgenden neuzeitlichen Geschichtsperiode ist ein Wandel bezüglich der lokaltypischen Produktionsverhältnisse zu konstatieren. Während vom Hoch- bis zum Spätmittelalter Bergbau, Land- und Forstwirtschaft dominierten, erhielten mit dem Übergang zur Neuzeit gewerbliche Kleinproduktion und Handel höheres Gewicht. Die mit dem 19. Jahrhundert einsetzende Industrialisierung und der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur (Eisenbahn) bewirkten einen nochmaligen Strukturwandel. Auch wenn die Industrialisierung nicht die Ausmaße wie im „Flachland“ erreichte, hatte sich das Osterzgebirge spätestens ab dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts fest in der sächsischen Wirtschafts- und Staatsstruktur etabliert. Erwähnenswert ist auch der Wandel zur Naherholungs- und Wintersportregion ab dem frühen 20. Jahrhundert.